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Schreiben ist (Mit)teilen von Lebenserfahrung
Die Welt verändern „Mein Ziel ist es, die Welt ein wenig zu verändern…“ Wie oft habe ich in meinem Leben diesen Satz ausgesprochen oder gedacht. Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber es muss sehr oft gewesen sein. Woran ich mich erinnere, das sind die prägnanten Augenblicke, in denen ich mein eigenes Tun mit diesem Satz zu rechtfertigen versucht habe. So war es damals, als ich nach vier Semestern Architekturstudium dieses an den Nagel hängte, um mich stattdessen mit Sozialpädagogik zu beschäftigen, einer meiner Lieblingssätze. Reflektiert wie ich war….mein Kopf hat immer ganz gut funktioniert…gab ich sogar zu, dass ich als Architektin niemals wirklich erfolgreich sein würde, jedoch rechtfertigte ich mein eigenes „Versagen“ lange Zeit damit, dass selbst die Besten in diesem Fach nicht frei wären, das zu entwerfen wozu sie in der Lage wären, weil letztendlich die Geldgeber den Baustil vorgeben würden. Was für eine „schöne“ Entschuldigung….wenn auch etwas fade. Die Welt…mit Sozialarbeit…zu verändern, erschien mir da doch wesentlich einfacher. Getreu dem Glaubenssatz…durchhalten ist alles…beendete ich dieses Studium dann auch und verschrieb mich in meiner beruflichen Arbeit dem Versuch, weniger privilegierten Menschen…und hier vor allem Kindern, zu helfen, ihr Leben besser in den Griff zu bekommen. In dieser Arbeit konnte ich mir selbst bescheinigen, „die Welt“ ein wenig zu „verändern“. Warum ich das Alles erzähle???? Jetzt, im Alter von 50 Jahren erkenne ich, dass ich mich getäuscht habe! Jetzt, wo ich damit beginne, mich selbst zu bewegen…und zwar in meinem Inneren…erkenne ich, dass ich nur dann wirklich etwas bewegen und verändern kann, wenn ich bei mir selbst damit beginne. Da ist es ganz egal, welchen Beruf ich ausübe!!!! Ich bin durch meine Coachingausbildung innerlich in Bewegung geraten. Und diese Veränderung und Bewegung, die dort in meinem Inneren stattfindet, hat schon jetzt im Außen mehr in Bewegung gesetzt und verändert, als ich dieses mit all meiner hektischen Betriebsamkeit in meinem Berufsleben und in meiner Familie in den letzten 35 Jahren meines Lebens geschafft habe. Die Erkenntnis, dass sich durch meine innere Bewegung mein soziales Umfeld stärker verändert, als dieses alle meine Versuche von Außen jemals möglich gemacht haben…und ich habe mir wirklich große Mühe gegeben…ist für mich so überraschend, dass es wiederum eine neue innerliche Bewegung in Gang setzt. Denn, wenn ich realisiere, was dort gerade passiert, dann muss ich zu der Überzeugung kommen, dass ich, so wie ich wirklich bin…ganz ohne äußere Anstrengung… eine wichtige Bedeutung habe. Ich muss nicht durch Betriebsamkeit beweisen, dass ich „die Welt verändern“ will oder kann…ich muss einfach ICH SELBST SEIN!
Loslassen verrückt Es ist schon eine komische Sache, dass es uns so schwer fällt etwas loszulassen, auch wenn wir es eigentlich gar nicht mehr brauchen. Besonders dann, wenn man einmal wirklich zur Tat schreitet und sich dem stellt, was da im schlimmsten Fall passieren könnte. Ich habe - mit ein bisschen Druck von außen versteht sich – genau diesen Prozess durchlaufen, indem ich mich vor der Gruppe…..und was noch viel wichtiger für mich war – vor mir selbst…..„gezeigt“ habe. Meinen inneren Verletzungen noch einmal ins Gesicht zu schauen und dabei den Schmerz zu zulassen, den sie damals in mir verursacht haben, ist eine Erfahrung der besonderen Art. Denn es schmerzt zwar immer noch, aber diese existenzielle Bedeutung ist verloren gegangen. Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Prozess ist jedoch für mich zu spüren, dass die Angst und die damit verbundene innere Lähmung plötzlich ganz klein geworden sind. Und dann sitze ich auf einmal in einer Runde von Kollegen und kann ganz unbefangen und echt meine Unsicherheiten in Bezug auf einen Fall zeigen. Verschwunden ist das Gefühl, alles mit mir selbst ausmachen zu müssen, weil ich ja unbedingt die Kontrolle behalten muss. Ist das verrückt?!!!! Da lasse ich nur an einer einzigen Stelle in mir etwas los und an vermeintlich ganz anderer Stelle löst sich etwas von ganz alleine…! Also ja, es ist verrückt! In mir ist etwas verrückt worden durch diesen Prozess. Das wiederum hat etwas anderes von seinem Platz verrückt, das wieder etwas anderes….und so weiter und so weiter. Noch kann ich nicht erkennen, welches Ausmaß von Verrücktheit dort in mir entstanden ist, aber ich spüre schon jetzt, dass das, was da passiert, mich bereichert. Mir kommt so ein Bild von einer Reihe von Sträflingen in den Sinn, die alle an ein und derselben Kette gefesselt sind. Wird nur einer von ihnen befreit, bedeutet das ein Mehr an Bewegungsfreiheit für alle. Und vielleicht ist bei der Befreiung des Einen ja auch vergessen worden, die Kette wieder zu verankern, so dass dadurch alle ihre Freiheit wieder erlangen. Ich warte mit Spannung darauf, zu erleben, wie sich meine innere Bewegungsfreiheit weiter entwickeln wird.
Unordnung „Ordnung ist das halbe Leben!“ Wer kennt ihn nicht, diesen Leitsatz unserer Mütter. Heute, nein gerade jetzt erkenne ich in mir, wie viel Wahrheit in diesem Satz steckt. Ich habe gerade eine einstündige Autofahrt hinter mir, während der ich versucht habe, für die einzelnen Teile, die in meinem Inneren an diesem letzten Wochenende wieder einmal total durcheinander geraten sind, einen festen Platz in mir zu finden. Das heißt, ich habe versucht die Ordnung in mir wieder herzustellen. Das Problem ist nun, dass ich die Dinge nicht mehr einfach an ihren alten Platz zurückstellen kann, sondern einen Neuen finden muss. Es ist ein bisschen so, wie Zimmer umräumen. Nur das das Zimmer ich selbst bin und die Dinge die ich umräumen möchte, ihre Form und Farbe verändert haben. Nichts passt mehr zusammen und einiges muss ich wohl nun endgültig ausmisten. Aber das Chaos, was da gerade herrscht……. so kurz nachdem man mit dem Umräumen begonnen hat….es hat auch eine Qualität. Ich finde Dinge wieder, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie überhaupt jemals besessen habe. Das mehr an Farbe wirkt belebend und inspiriert mich zu den verrücktesten Kombinationen. Nur das, was ich ausmisten muss, weil es einfach nicht mehr passt, macht mich ein wenig traurig. Denn es wird ein Abschied für immer sein. Ich betrachte jedes dieser Dinge noch einmal und frage mich, was könnte mir schlimmstenfalls passieren, wenn ich den alten Plunder endgültig in den Müll schmeiße. Und die Antwort ist ganz einfach und trotzdem irgendwie auch ein wenig erschreckend: „Ich muss das Gewohnte aufgeben.“ Aber ist das wirklich so schlimm? Ich sehe mich in mir um und sehe Farben. Bunt, strahlend und fröhlich. In all dem Chaos, das dort unter der alten gewohnten Ordnung auftaucht steckt eine Lebendigkeit und Lebensfreude, die ich mir gerne für immer erhalten möchte. Während mein Blick so in mich hinein gerichtet ist, wird mir klar, dass ich alles loslassen und wegwerfen kann, was sich da noch an Altem so krampfhaft in mir festzuhalten versucht. Denn ich brauche es nicht. Würde ich es wieder einräumen, würde es diese wundervollen, lebendigen Farben zudecken, die doch gerade erst zum Vorschein gekommen sind. Den Blick noch auf das herrliche Chaos in mir gerichtet halte ich inne und treffe die einzig richtige Entscheidung für mich. „Lass die Dinge ihren eigenen Platz finden, denn sie wissen genau, wo sie hingehören. Und so lange, bis alles dort ist, wo es gerne bleiben will, akzeptiere das Chaos.“ Denn: „ Ordnung ist das HALBE Leben“ und mehr eben auch nicht!
Was ist Wohlstand? Jeden Morgen wenn ich am Frühstückstisch sitze, nehme ich mir den Raum und die Zeit in mich selbst hineinzuspüren. Ich sitze dann einfach da, lasse meinen Atem ungehindert fließen, versuche zu erkunden, wo in mir etwas blockiert ist…wo es fließt… Oft ist es in diesen Momenten so, das wie von selbst Worte in mir aufsteigen…ohne, dass ich genau sagen könnte, warum es gerade diese Worte sind. Heute Morgen war es das Wort „Wohlstand“. Was bedeutet das Wort „Wohlstand“ für mich? Es ist zusammengesetzt aus den Worten…„Wohl“ und „Stand“. Wohl… beschreibt einen Zustand des Gutgehen…„ich fühle mich wohl“…„ für unser Wohl ist gesorgt“ Stand…ist das Substantiv von „stehen“ Wohlstand bedeutet also erst einmal „gut stehen“. Da frage ich mich…was ist das…gut stehen? Spüre ich meine Füße, meine Beine, meinen Rumpf, meinen Hals, meinen Kopf, meine Arme…bei diesem guten „Stehen“… Wie „gut“ ist der Untergrund auf dem ich stehe? Wie „gut“ kann ich ihn spüren? Wie „gut“ kann ich mich in diesem „Stand“ fühlen? Wenn ich genau diesen Fragen in mir nachspüre…und eine Antwort finde…komme ich zu einer neuen Erkenntnis. „Wohlstand“ ist genau das…„spüren, dass ich gut stehe“. Mir kommen Sätze in den Sinn wie…„mit beiden Beinen im Leben stehen…“ oder…„ einen guten Stand haben“ Wenn ich spüre, dass ich gut stehe, dann habe ich „Wohlstand“. Denn dieses gute Stehen ist nicht nur für mich selbst spürbar…es wird auch gesehen. Und…es zieht das, was wir gemeinhin als „Wohlstand“ bezeichnen…nämlich eine bestimmte Stellung in der Gesellschaft…nach sich.
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Friederike Betzler-Steinmann
Dipl. Sozialpädagogin Systemischer Coach |